Urlaub Balearen
27. Februar, 2007 von Moderator
Urlaub auf den Balearen - aber auf welcher der Inseln?
Die Balearen sind schon lange bekannt als lohnende Ziele und so ist es kein Wunder, dass man den Tourismus hier in vielen Gebieten sehr deutlich spürt – Immobilienfirmen versuchen das Potential der Regionen auszuschöpfen und errichten neue, touristisch attraktive Hotels, während auch Gastronomie und die Freizeitbranche eine deutliche touristische Prägung zeigen.
Wenn man eine Region für eine Reise in Betracht zieht, muss man wissen, was man zu erwarten hat. Die Balearen haben als Reiseziel einen interessanten Charakter, der allerdings in besonders stark frequentierten Regionen auch erheblich unter den großen Besucherzahlen leiden kann.
Nicht umsonst haben die Inseln – allen voran Mallorca, die beliebteste Ferieninsel der Deutschen – einen Imagewechsel angestrebt, der ihnen innerhalb von recht wenigen Jahren meist sehr gut gelungen ist. Litten die Balearen noch vor einigen Jahren nicht unerheblich an Bildern, die von der deutschen Boulevardpresse geprägt wurden und die diese eigentlich sehr schönen und eigenständigen Reiseziele als reine Domizile für den Partyurlaub deklarierten, so haben die Maßnahmen der Tourismusbehörden deutliche Wirkung gezeigt. Menorca und Formentera hatten nie so stark unter dem Partytourismus zu leiden, doch Mallorca und Ibiza waren (und sind es teilweise noch heute) von dieser Vorstellung erheblich geprägt.
Auch diese Einschätzung hat natürlich einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Charakter der balearischen Inseln als Reiseziel – bis vor kurzem war es für kulturell interessierte Touristen beinahe undenkbar, ihren Urlaub auf diesen Inseln zu verbringen, während mittlerweile der Tourismus mit Reise- und Gourmetführer auch auf den beiden ehemaligen „Partyinseln“ keine Seltenheit ist. Ibiza leidet heute noch etwas mehr unter den Vorstellungen dieser Art, während Mallorca sich sehr eindeutig von dieser Art des Tourismus distanziert hat, nicht zuletzt durch das erhebliche gestiegene Preisniveau und verschiedene Maßnahmen, die die Toleranz gegenüber allzu nachlässigen Urlaubern deutlich senkten.
Wenn man ein Bild der „heutigen“ Balearen als Ziel für den Urlaub zeichnen will, so muss man zwischen den einzelnen Inseln teilweise erheblich differenzieren. Mallorca, die größte und touristisch auch heute noch wichtigste Baleareninsel, hat den Wandel in aller Deutlichkeit vollzogen und zielt heute auf den gehobenen, kulturell anspruchsvollen Tourismus ab, für den die Besucher auch gerne einmal tiefer in die Reisekasse greifen. Günstige Hotels mussten in den letzten Jahren deutlich rückläufige Besucherzahlen verzeichnen, während gleichzeitig viele neue Anlagen der oberen Klassen errichtet wurden, die angenehmen Komfort, guten Service und eine interessante, oft sogar landestypisch angehauchte Küche versprechen. Die Zeiten, in denen die Currywurst und das Jägerschnitzel auf dieser Insel einen ebenso hohen Stellenwert genossen wie die Paella scheinen ein für alle mal vorbei zu sein.
Menorca, die kleine Schwesterinsel, war eigentlich schon immer das Mallorca für stärker individualistisch interessierte Urlauber. Sicherlich, der Tourismus ist eine große und wichtige Einkommensquelle auch auf dieser Insel und man sollte nicht vergessen, dass eine starke touristische Industrie auch immer die negativen Seiten dieses Wirtschaftszweiges ankurbelt – dennoch war die touristische Bedeutung Menorcas in der Vergangenheit vergleichsweise gering, während sie nun – da die Insel eine mehr und mehr gleich berechtigte Stellung neben der großen Schwester Mallorca einfordern kann – einen angenehmen und nicht übersteigerten Aufschwung verzeichnen kann.
Ibiza wiederum blickt in den letzten Jahren kulturell auf eine harte Zeit zurück. Nachdem sich zeigte, dass der Partytourismus auf Mallorca keine Zukunft mehr hatte, wanderte man auf diese nahe gelegene Insel ab, um dort weiter nach Möglichkeit einem primitiven und auf totale Abkehr vom Alltag angelegten Tourismus zu frönen. Die Entwicklung verlief für einige Jahre parallel und die Anhänger dieses Tourismus setzten sich darüber auseinander, ob Mallorca oder Ibiza sich besser für ihre Zwecke eignen würden – nachdem die größte Baleareninsel nun aber deutliche Signale setzte, landen viele ehemalige Mallorcabesucher schließlich auf Ibiza.
Was wirtschaftlich natürlich sehr erstrebenswert erscheint, ist kulturell eine Katastrophe, der man – durch Mallorcas Erfahrungen bereits deutlich schlauer als in der Vergangenheit – auf gewisse Weise entgegen wirken will. Allerdings sind die Schritte, die man in dieser Beziehung eingeleitet hat, noch nicht von dem Erfolg gekrönt gewesen, den man in Mallorca verzeichnen kann. Vielmehr ist es für Ibiza eine Gratwanderung – einerseits ist es natürlich sehr wünschenswert, durch massenhaften Tourismus große Einnahmen verzeichnen zu können, doch will man gleichzeitig nicht den eigenen Namen als „billige Partyburg“ verkaufen. Eine so namhafte Stellung wie die größte Baleareninsel hat Ibiza allerdings bis jetzt noch nicht, so dass man es noch nicht gewagt hat, so eindeutig Stellung zu beziehen wie Mallorca.
Auf angenehme Weise verschont geblieben von diesen Schwierigkeiten ist bis jetzt Formentera. Zwar kann diese Insel nicht auf eine so gute wirtschaftliche Entwicklung zurückblicken wie die Inseln, die in den zweifelhaften Genuss eines Rufs als „Partyinsel“ gekommen sind, doch stellt sich die Frage, auf welche Weise man den Tourismus beeinflussen will, hier bis jetzt nicht. Formentera ist eine interessante Urlaubsinsel, die ihren Reiz aus ihrer Landschaft und Kultur zieht und die in verschiedenen wichtigen touristischen Zentren dennoch alles zu bieten hat, was man sich als Tourist wünschen könnte.
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