Toledo Spanien
9. Januar, 2007 von Moderator
Die alte Hauptstadt Spaniens
Toledo ist eine der ältesten Städte Spaniens und diente lange Zeit von der Vorzeit bis hin ins 16. Jahrhundert unter verschiedenen Herrschern als politisches und religiöses Machtzentrum, bevor der Titel der Landeshauptstadt 1561 an Madrid überging.
Als stolze Stadt wird das UNESCO Weltkulturerbe immer wieder beschrieben und betrachtet man alleine nur die einmalige Lage wird klar weshalb. Umflossen vom Río Tajo stürzen die Flanken der Stadt auf drei Seiten steil hinab in die Schlucht des Flusses, obenauf, auf dem nur von einer Seite zugänglichen Granitfelsen thront die Stadt, deren Alcázar und große Kathedrale bereits von der Ferne eine beeindruckende Wirkung haben.
Durch die kleinen und planlos angelegten Straßen schlendert man vorbei an maurisch anmutenden Häusern mit vergitterten Erkern und prächtigen offenen Innenhöfen und im Kontrast dazu strenge Kathedralen und Kirchen, Hospitäler und Klöster aus der Zeit nach der Reconquista, daneben zwei der drei in Spanien noch erhaltenen Synagogen der Juden aus der maurischen Herrschaftszeit.
Werke des berühmten Malers El Greco stehen der berühmten Schmiedekunst in Sachen Schwertklingen und Einlegearbeiten aus Gold und Silber der Toledaner gegenüber, die ebenfalls die Araber auf die iberische Halbinsel brachten. Ein solches Kulturgemisch auf engstem Raum, das bestens die iberische Geschichte dokumentiert, hat wahrlich die Ernennung zum Weltkulturerbe verdient. Leider ist aus diesem Grund auch die Stadt am Wochenende und in der Hauptreisezeit oftmals überfüllt.
Am besten verschafft man sich erst einmal einen Überblick über die Stadt, zum Beispiel mit einer Rundfahrt um die Stadt, die von der Avenida de la Cava, die vor der Stadtmauer an der einzig nicht vom Fluss umflossenen Zugangsseite Toledos liegt, über die Puente de la Cava über den Río Tajo in die Höhe hinauf, entlang der Carretera de Circunvalación führt. Von hier oben aus genießt man einen unvergesslichen Blick auf die Stadt und ihre Prunkbauten, bevor man vorbei an der Ermita de la Virgen del Valle zur Puente Nuevo de Alcántara und auf den Paseo de la Rosa gelangt, der über eine weitere Brücke zurück zum Ausgangspunkt führt.
Die nicht nach Plan angelegten Straßen, die man von hier aus gut sehen kann, gehen auf die maurische Zeit zurück, doch gegründet wurde Toledo schon unter den iberischen Carpentanern, bevor ihre Hauptstadt 192 vor Christus von Römern erobert wurde. 534 machten die Westgoten „Toletum“ wiederum zur Hauptstadt ihres Reichs, unter den Mauren war zwar Córdoba Hauptstadt, doch zur Zeit des Kalifats von Córdoba der Regierungssitz eines Emirs und wurde selbstständiges Königreich.
In diese Zeit Anfang des 11. Jahrhunderts fällt auch der größte Wohlstand der Stadt, die sich mit Waffenproduktion, Seiden- und Wollindustrie an die Spitze der Wirtschaft des Landes arbeitete und wissenschaftlich erblühte. 1085 eroberten die Christen unter Alfons VI. die Stadt zurück und machten Toledo zwei Jahre darauf zum Regierungssitz und religiösen Mittelpunkt ihres Königreichs. Erst 1561 verlor die Stadt ihre politische Bedeutung an Madrid, der Bischofssitz blieb jedoch in Toledo.
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