Spanien Sprache
16. Februar, 2007 von Moderator
Der stete Konflikt um das Mallorquin
Vielen Touristen fällt unter allen kulturellen Eigenheiten Mallorcas die sprachliche als Erste ins Auge, nicht zuletzt, weil man als „Unwissender“ die Auswüchse des Sprachkonflikts auf der Insel wahrscheinlich nicht erwartet.
Schon seit langer Zeit betreiben Autonomisten nämlich mit Eifer einen Krieg gegen Ortsschilder und Wegweiser, und dieser Krieg wird (weshalb er auch für Touristen so offensichtlich ist) mit Sprühfarbe ausgetragen. Auf den Schildern, auf denen vom Mallorquin abweichende spanische Namen stehen, wird gnadenlos und immer wieder „berichtigt“.
Die mallorquinische Autonomiebewegung sieht es nämlich gewissermaßen als ehrenrührig an, sich durch den Sprachgebrauch und die Schilder noch immer an die unangenehme Zeit der Franco-Ära erinnert zu fühlen, in der die eigene Sprache stark in den Hintergrund gedrängt wurde.
Ein weiterer Grund dafür, warum Touristen diesen Konflikt wahrscheinlich so schnell bemerken ist die Tatsache, dass die Autonomisten besonders gerne gegen Palma in Aktion treten, da die Stadt in der heimischen Mundart “Ciutat” heisst, was schlicht und einfach „Stadt“ bedeutet.
Das besondere an diesem innermallorquinischen „Kleinkrieg“ ist die Tatsache, dass die Autonomisten einerseits zahlreich genug sind, um gewisse Erfolge zu erzielen (die eventuell auch im Interesse der übrigen Bevölkerung liegen), dass sie aber mit allem erreichten nicht zufrieden sind, weil ihnen jeder Rückschritt wie ein fauler Kompromiss erscheint.
Sie sind – moralisch nicht ganz unberechtigt – der Überzeugung, dass Mallorca eben kein Teil Spaniens , sondern vielmehr ein eigenständiges Land ist, welches durch eine Eroberung eingenommen wurde. Laut ihren Auffassungen darf man dies natürlich nicht hinnehmen.
Diesen Konflikt als Außenstehender zu beurteilen ist nicht einfach, eben weil die Geschichte Mallorcas natürlich zeigt, dass das Land einfach „erobert“ wurde – allerdings gibt es eine ganze Reihe von Ländern, die sich nach einer solchen Eroberung (die immerhin auch schon mehr als sechs Jahrhunderte zurückliegt) dem Eroberer zugehörig fühlt.
Wie die Schotten und Iren sind aber auch die Mallorquiner in diesem Zusammenhang besonders hartnäckig, bleiben dabei aber angenehmerweise in ihrem Widerstand völlig unblutig.
1 Kommentar zu “Spanien Sprache”
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Das mit den Straßenschildern kann ich nur bestätigen. In Mallorca gibts es wirklich zahlreiche übersrühte Verkehrssschilder. Aber nicht nur die Malloquiner sind so, auch die Basken und Katalanen kämpfen für ihre Sprache.