Spanien Mittelalter

Goten und Mauren

Die Goten waren noch immer ein Volk mit einer zwar vergleichsweise schlecht ausgebildeten, aber dennoch immens kampfstarken Armee, da die germanische Organisation der Heere sich in so manchem Punkt der strikten Disziplin römischer Soldaten als überlegen zeigte.


Wo die römischen Heere - ob sie nun dem Westen oder dem Osten dienten - von Gold motiviert waren, standen die Goten nach alter Tradition neben ihren Brüdern und gingen im Kampf verbissen vor, getrieben von dem Wunsch, die Menschen zu schützen, die Seite an Seite mit ihnen kämpften.

Ehe der Kampf gegen die Goten also zu einem Höhepunkt getrieben werden konnte, kamen die Mauren ins westliche Europa. Ostrom verlor innerhalb von kurzer Zeit fast alle nordafrikanischen Besitzungen an diese arabischen Krieger, die einen starken Drang nach Westen entwickelt hatten.

Die alten und neuen westlichen Reiche sahen sich einer neuen und unangenehmen Bedrohung gegenüber, da die Mauren ein Feind waren, den sie in dieser Form noch nicht kannten – fast jedes Volk im Westen war noch auf die eine oder andere Weise vom Alten Rom geprägt, und auch wenn Goten, Römer und auch Byzanz natürlich deutliche Unterschiede in militärischer Taktik und Kriegsführung aufwiesen, zeigten sich die Mauren mit gänzlich neuen Taktiken und Ideen, die sich in ihrem Reich aber schon lange bewährt hatten.

Schnell zeigte sich, dass die Mauren zwar nicht unbedingt die überlegene Kriegsmaschinerie nach Westen brachten, dass sie aber immerhin ein Schrecken waren, denen der Westen nur schlecht standhalten konnte.
Im 8. Jahrhundert, als vom Römischen Reich in seiner alten Form beinahe nichts mehr übrig war, kamen die siegreichen Mauren zu den Balearen und nahmen diese beinahe im Sturm.


Mallorca und die kleineren Inseln, die seit Jahrhunderten auf die militärische Unterstützung vom Festland angewiesen waren, hatten diesen gut organisierten Heeren, die auf eine weitreichende Versorgung zurückgreifen konnten, nicht viel entgegenzusetzen; die Hilfe vom Festland aber, auf die man in dieser Schlacht hoffte, blieb aus, weil die Länder dort selbst Krieg gegen die Mauren führten.

Auf den Balearen ging man wieder zu einer altbekannten Form des Widerstands über, der man allerdings nur einen bedingt ideologischen Hintergrund unterstellen kann – der Seeräuberei. Bald kam es zu einer Phase, in der kleine Seegefechte das Bild der Schifffahrt rund um die Insel dominierten, da die Schiffe der Piraten von den Balearen und die maurischen Kriegsschiffe sich gegenseitig überfielen und aufbrachten. Auch wenn kein regelrechter Kriegszustand herrschte, handelte es sich um eine unruhige und seltsame Zeit.

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