Spanien im 19. Jahrhundert

Vom feudalen Herrschaftssystem zur demokratischen Provinz

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde zur Blütezeit Teneriffas, als die Insel endlich zur Freihandelszone erklärt wurde, und das Gedankengut der Aufklärung vom europäischen Kontinent herüberschwappte. Die Bürger nahmen das humanistische Denken begeistert auf, und Schriften, die im alten Europa verboten waren, konnten versierte Schmuggler leicht aus Amerika beschaffen.

Doch um an den Festen des Feudalsystems ernsthaft zu rütteln bedurfte es noch einiger Zeit. Während auf den Nachbarinseln bereits der Großgrundbesitz abgeschafft und Kirchenbesitz aufgelöst wurde, herrschte dieses System auf Teneriffa noch immer vor. Nur langsam, Schritt für Schritt ging die Modernisierung voran, welche mit der Liberalisierung des Handels begann und sich zum Beispiel in der Umgestaltung der Innenstadt von Santa Cruz nach klassizistischen Vorbildern zeigte. Zudem wurde das Wahlrecht demokratisiert, sodass auch die Einwohner Teneriffas wählen durften.

Wirtschaftlich war diese Zeit für Teneriffa eine Berg- und Talfahrt, immer wieder erlebte man Flauten, Leute wanderten aus, bis schließlich eine neue Monokultur Wirtschaftswachstum und eine erneute Zuwanderung brachte. 1885 besuchten Engländer erstmals die Insel, von da an wuchs der Tourismus, bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise.


 



Nach diesen Ereignissen, und während der Zeit der II. Spanischen Republik, kamen neue europäische Errungenschaften wie Gewerkschaften und Arbeiterparteien nach Teneriffa. Die Kunstszene wurde aufgerüttelt; die erste surrealistische Ausstellung Spaniens fand 1935 sogar auf Teneriffa statt.

Nur ein Jahr später startete General Franco von hier aus seinen Putsch gegen die Regierung, und brachte den Bürgerkrieg über Spanien. Teneriffa war zwar nicht unmittelbar von diesem Krieg betroffen und hatte keine Toten zu beklagen, dafür stagnierte die Wirtschaft aufgrund der inneren Streitigkeiten und dem Zweiten Weltkrieg. Nun lag die Insel isoliert da, ohne Handelspartner. Eine große Welle der Auswanderung folgt, bis 1978 die konstitutionelle Monarchie unter König Juan Carlos ausgerufen wird, und Teneriffa autonome Zone im Spanischen Staat innerhalb der EU wird.

Seither ist der Tourismus die wichtigste Wirtschaftsstütze Teneriffas, wenngleich er nicht nur Vorteile brachte. Die Natur wird durch den Ansturm von Zigmillionen Reisenden jedes Jahr unheilbar geschädigt und um dem Andrang gewachsen zu sein, wurden zahllose Hotels, Häuser, Straßen und künstliche Strände geschaffen. Die unkontrollierte Überbauung des Landes ist die Folge, die man heute den wenig schönen Städten ansieht.

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