Spanien im 15. Jahrhundert
25. März, 2008 von Moderator
Türkische Herrschaft auf Mallorca
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kam es zu einer Veränderung, die sich sehr widersprüchlich auf die Entwicklung der Insel auswirkte. Die Türken entwickelten sich zur beherrschenden Macht des östlichen Mittelmeerraumes, und der kulturelle Widerspruch zwischen diesem Reich und dem christlich orientierten Westeuropa führte zu einigen Kampfhandlungen, die die Türken aber für sich entscheiden konnten.
Sie erlangten wenigstens über das östliche Mittelmeer die unangefochtene Herrschaft und ließen sich gleichzeitig auch noch in Nordafrika nieder – eine Entwicklung, die den Königen von Aragon überhaupt nicht gefiel, da auf diesem Wege der Orienthandel weitgehend zum erliegen kam. Dies schien auf den ersten Blick überhaupt nicht zum Besten Mallorcas zu sein, doch auf den zweiten Blick wirkte sich diese Entwicklung dennoch zugunsten der Insel aus.
Die mallorquinischen Seefahrer waren furchtlos und fähig, und sie schafften es, den Handel auch in dieser schweren Zeit aufrecht zu erhalten – ein Schritt, der natürlich sehr lohnend war, da geringerer Handel immer die Preise der Güter in die Höhe treibt. Auch die Seeräuberei, die von den Türken angeregt und unterhalten wurde, war nicht mehr als eine Schwierigkeit für die Seefahrer – sie fürchteten zwar die türkischen Piraten, konnten ihnen jedoch wieder und wieder entgehen und so sehr einträglichen Gewinn einfahren.
Innerhalb von relativ kurzer Zeit nahm der Einfluss der Könige von Aragon, die mittlerweile in die Linie der Habsburger übergegangen waren und sich Könige von Spanien nannten, deutlich ab, und es kam zwar nicht politisch, aber wenigstens praktisch zu einem echten Unabhängigkeitsgewinn für die Mallorquiner. Die Kontrolle durch die spanischen Behörden nahm ab, und die mallorquinischen Händler konnten mit waghalsigen Handelsfahrten auch in dieser schweren Zeit ihrem Land zu wachsendem Wohlstand verhelfen.
Nachdem Karl V. Von Habsburg, der auch als Carlos I. Von Spanien bekannt ist, den Türken allerdings in offener Seeschlacht unterlag, nahm die Seemacht dieses Reiches immer mehr zu. Beinahe ungestört plünderten sie die Küstenstädte des westlichen Mittelmeerraums, und auch Mallorca, das bis dahin von politischen Wirren weitgehend unangetastet geblieben war, hatte nun schwer unter den Angriffen der Türken zu leiden.
Nachdem allerdings die Zeit der ersten Überfälle vorbei war, ließen sich die Türken auch auf verschiedenen Orten in Mallorca nieder. Nicht umsonst spricht man von dieser Zeit oft auch als von der „Türkenzeit“ Mallorcas. Die Türken nutzten Buchten und Höhlen Mallorcas zudem als Schlupfwinkel für weitere Unternehmungen. Aus dieser Zeit” stammen die zahlreichen Wacht- und Verteidigungstürme rund um die Insel.
Diese Entwicklung hatte neben den Gefahren, die die Seefahrt in dieser Zeit mit sich brachte, auch eine Reihe von wünschenswerten Auswirkungen für die Bewohner Mallorcas. Durch die Übermacht der Türken auf dem Meer war Mallorca gewissermaßen vom spanischen Festland abgeschnitten und genoss eine relative Unabhängigkeit, die durch nach und nach verbesserte Beziehungen zu den Türken sogar noch positiv ausgenutzt werden konnten. Den türkischen Herrschern war bald klar, dass sie mehr Gewinn an einem ihnen gegenüber offen eingestellten Mallorca ziehen würden als aus den Plünderungen, und es kehrte ein gewisser Frieden ein, der den Händlern die Meere wenigstens in gewisse Maße wieder öffnete. Somit wurde Mallorcas Position als wichtige Handelsmacht immer weiter gefestigt, und die Beziehungen zu den verschiedenen Mächten im Mittelmeerraum war recht gut.
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