Spanien Antike
4. September, 2009 von Moderator
Die Spanischen Krieger
Zwar blieb der Aufstieg der Balearen als echte Handelsmacht noch für einige Jahrhunderte aus, doch war ein erster Trend gesetzt – man war auf den Inseln nun nicht mehr der Überzeugung, dass man eigentlich nur seine Ruhe haben wollte.
Interessant ist die Zeit des phönizischen Einflusses vor allem auch deshalb, weil sich in dieser Zeit bewies, dass die Bewohner der Balearen ein sehr aufgeschlossenes und anpassungsfähiges Volk waren, das sich mit so ziemlich jedem äußeren Einfluss auseinander zu setzten wusste.
Auch wenn die beiden Inseln Menorca und Ibiza von den Phöniziern relativ früh beansprucht wurden, konnte Mallorca, die größte der Baleareninseln, sich diesem Einfluss vergleichsweise lange widersetzen. Es zeigte sich allerdings, dass es unvermeidbar war, mit den Phöniziern auf die eine oder andere Art in Kontakt zu treten – weshalb es sich die jungen männlichen Mallorquiner zur Angewohnheit machten, sich als Söldner in den Heeren der Phönizier zu verdingen.
Sie entwickelten in ihrer Kindheit nämlich eine Fertigkeit, die uns bis heute bekannt erscheint, die aber nur in der Antike ihren eigentlichen Charakter entfalten konnte: das Steinschleudern. In dieser Fertigkeit brachten es die jungen Männer von den Balearen zu großem Geschick, was die Steine, die man als Geschosse verwendete, zu tödlichen Waffen machte.
Es prägt nicht gerade unser heutiges Bild von den Schlachtfeldern der Antike, dass man in dieser Zeit Steinschleudern verwendet haben soll, die aus einer Schlinge bestanden und die ihre Kraft aus dem Geschick der Anwender gezogen haben, doch ist es aller Wahrscheinlichkeit so gewesen.
Man weiss, dass die Söldner von den balearischen Inseln in vielen Heeren der Welt großes Ansehen genossen und dass sie nicht etwa wegen ihrer primitiv anmutenden Waffe als nieder Söldner angesehen wurden.
Einen deutlichen Verweis auf die Wichtigkeit der Schleuder als Waffe gibt natürlich die biblische Geschichte von David und Goliath – man kann davon ausgehen, dass die Schleuder, die David verwendete, in der Tat nicht eine so lächerliche Waffe war, wie man es heute vermutet.
Man vermutet sogar, dass die Bezeichnung der gesamten Inselgruppe auf die besonderen Fertigkeiten der Schleuderer von den Insel zurückging – auf griechisch bedeutet „ballein“ nämlich so viel wie „werfen“, was ja einer Verbindung zu dieser Technik nahe legt.
Auf jeden Fall zeigte sich, dass die Steinschleuderer von den Balearen im Altertum gefürchtete und recht angesehene Söldner waren, die es mit anderen Kriegern, die aus der Ferne kämpften, an Durchschlagskraft und Präzision durchaus aufnehmen konnten.
Nach dieser Zeit hatten viele Menschen scheinbar gelernt, aus jeder Situation das Beste zu machen und sich so anzupassen, dass ihnen die Fremdherrschaft keine Probleme, sondern vielmehr Vorteile versprach – eine Mentalität, die sich auf den Balearen mehr oder weniger bis heute erhalten hat.
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