Sitten Mallorca
25. März, 2008 von Moderator
Sitten und Kultur aus der Hinterlassenschaft der Fremdherrschaft
Die Kultur der Bewohner von Mallorca ist in weiten Teilen relativ stark geprägt von den spanischen Einflüssen, denen die Bewohner im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt waren, doch bringt die Insel natürlich auch einen eigenen kulturellen Hintergrund mit sich, der einen durchaus wichtigen Einfluss hat auf die Art, wie die Mallorquiner heute ihre Kultur leben.
Die historische Entwicklung, die die Insel im Laufe der Jahrhunderte hinter sich gebracht hat, hat in diesem Zusammenhang natürlich einen sehr entscheidenden Einfluss auf das, was man heute als „mallorquinische Kultur“ bezeichnen kann. Nicht zuletzt ist diese Tatsache einfach darin begründet, dass die Zahl der Fremdeinflüsse, der die Insel in der Vergangenheit ausgesetzt war, derartig groß ist, dass man ohne Betrachtung dieser historischen Entwicklung kaum von der eigenen Kultur Mallorcas sprechen kann.
Was aber ist von diesen Einflüssen bis heute erhalten, und welchen Teilen kann man noch wirklich Bedeutung zuschreiben? Nur weil ein Land vor zwei Jahrtausenden beispielsweise Teil des römischen Imperiums war, bedeutet dies nicht, dass die kulturellen Errungenschaften dieser antiken Hochkultur noch großen Einfluss auf das heutige Leben, das heutige Selbstverständnis in einem Land hat.
Unbenommen von dieser Aussage ist die Tatsache, dass natürlich gerade die römische und die hellenische Kultur natürlich für viele Länder des Abendlandes einen sehr entscheidenden Einfluss hatten – den man heute aber wahrscheinlich nur noch im Kontrast zu Kulturen wahrnehmen kann, für die ein solcher Einfluss nicht festzumachen ist.
Dafür findet man auf der Insel aber ein vergleichsweise starkes Autonomiestreben und Selbstbewusstsein, das zwar in der zentralistisch orientierten Zeit des Franco-Regimes in den Hintergrund rückte, jedoch niemals völlig verdrängt werden konnte – nicht umsonst haben die Mallorquiner direkt nach der zumindest verwaltungsmäßigen Autonomie mit Stolz ihre eigene Sprache wieder ausgeprägt, und innerhalb weniger Jahrzehnte baute Mallorca geradezu eine „Sprachbarriere“ gegenüber dem spanischen Festland auf, in dem die eigene Sprache wieder stark in den Vordergrund trat.
Eine kulturelle Bewegung dieser Art ist in manchen Ländern zu beobachten, doch wurde sie selten so tatkräftig umgesetzt wie in Mallorca. Manche Länder, die eine aufgezwungene sprachliche Veränderung hinter sich haben, besinnen sich gerade in den letzten Jahrzehnten auf ihre Ursprünge, doch findet man nur wenige Kulturen, in denen in der Tat ein echter Wandel zur eigenen Sprache hin erfolgt – vielmehr bekommt man leicht den Eindruck, dass die Pflege der „alten Sprache“ eines Landes Züge der folkloristischen Pflege annimmt. Eine echte Wandlung hin zur eigenen Sprache ist nur selten zu beobachten, doch gerade diese Entwicklung wird in Mallorca besonders stark gefördert und angestrebt.
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