Orotava Teneriffa
5. März, 2008 von Moderator
Das fruchtbare Orotavatal und die ehemalige Patrizierstadt La Orotava
Die Stadt liegt im wunderschönen Orotavatal mit seinen flach abfallenden Hügeln, die abrupt in steile Bergwände übergehen.
Der Ausblick, den man vom Humboldt-Blick über die Stadt hinaus aufs Meer und im Winter auf ein sattgrünes Land in voller Blütenpracht, mit dem schneebedeckten Teide im Hintergrund, oder einfach bei blauem Himmel auf den wolkenumhüllten Berg genießt ist wahrlich beeindruckend.
Nicht nur deshalb zog es Kaufleute, Finanziers und Adel aus Spanien, Frankreich und Italien im 16. Jahrhundert hierher, wer etwas auf sich hielt, und beim Handel mit Zuckerrohr, Bananen und Wein mitreden wollte, der ließ sich hier nieder. Die Lage für den Anbau dieser Exportschlager war im Orotavatal extrem begünstigt, da es von zwei steil abfallenden Bergschultern, den Laderas nach rechts und links hin begrenzt wird, die vor starker Witterung und Wind schützen. Der Boden hier ist überdies extrem fruchtbar dank des Aschebodens, der das Wachstum der Pflanzen vorantrieb.
Wie das 10 Kilometer breite Tal entstanden ist bereitete den Forschern lange Kopfzerbrechen, und sie dachten zuerst an ein Absacken, aus der Höhe in der sich auch die beiden Laderas erheben. Doch inzwischen ist man sich relativ sicher, dass das Tal genau wie sein Pendant, das Tal von Guimar an der Ostküste, durch einen riesigen Erdrutsch beim Zusammensturz des übergroßen Urvulkans im Zentrum Teneriffas entstanden sein muss.
Im Tal findet man herrliche alte Haziendas, die früher der Sitz der Großgrundbesitzer mit ihren Plantagen waren, in der Stadt La Orotava selbst kann man vor allem prächtige Patrizierhäuser der wohlhabenden Familien entdecken. Nach der Stadtgründung 1506 kamen die wohlhabenden Familien in die Stadt und gründeten so 1560 die Hermandad Doce Casas, die Bruderschaft der 12 Häuser, die von Adligen bewohnt wurden. Von diesen 12 Häusern stammt die heutige Bezeichnung des Stadtkerns, der noch immer Doce Casas genannt wird.
Leider ist die Stadt durch Neubauten heute recht zersiedelt, und der neue Teil der Stadt ist schon lange größer als der alte Kern. Dafür ist dieser umso prächtiger und überaus aufschlussreich über das Leben der reichen Familien in früheren Zeiten. Für eine Tour durch die Stadt lohnt auf jeden Fall ein Stadtplan, da der Kern zwar recht klein, doch durch viele Gässchen unglaublich unübersichtlich ist.
Eine besonders schöne Tradition, die La Orotava seit Jahren hochhält, ist die Fertigung von Blumenteppichen in der Fronleichnamszeit, wobei religiöse Motive vorgezeichnet und mit Blumen ausgesteckt werden. Wesentlich extravaganter sind jedoch die Bilder aus Lavasand, die hier in der Stadt erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts zu Fronleichnam „gemalt“ wurden. Diese Alfombras werden jährlich von Künstlern vor dem Rathausplatz La Orotavas aus knapp 3 000 Kilogramm Lavasand in 18 originalen Farben gelegt, indem der Sand auf ein vorgezeichnetes religiöses Motiv durch die Hand rieseln gelassen wird. Allein der Aufwand den Rathausplatz regensicher zu überdachen bedarf mehrerer Wochen.
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