Merida Spanien
6. Februar, 2007 von Moderator
Mérida - Die ehemalige römische Hauptstadt der Iberischen Halbinsel
Die an römischen Bauwerken reichste Stadt Spaniens liegt auf einer der am dünnsten besiedelten Hochflächen der Extremadura recht abgeschieden da, obgleich sie früher, unter den Römern, die wichtigste Siedlung des spanischen Kontinents und prosperierendes Handelszentrum war.
Während der Besetzung durch die Römer war „Augusta Emerita“, das gegen 25 vor Christus gegründet wurde, Hauptstadt Lusitaniens und größte römische Stadt in Iberien. Und außerdem eine der wichtigsten Städte im römischen Reich, die zugleich als schönste Stadt galt. Im Auftrag von Kaiser Augustus wurde die Stadt zum Altersruhesitz für die V. und X. Legion aufgebaut, mit Amphitheater, Zirkus, Tempeln, Aquädukten und Thermen, von denen heute noch große Teile erhalten sind und zum Weltkulturerbe erklärt wurden.
Mit der Übernahme durch die Westgoten nahm die Bedeutung der Stadt schon wesentlich ab, doch mit dem Einzug der Mauren 713 war der Niedergang der einstigen Metropole endgültig besiegelt. Auch nach der Rückeroberung durch die Christen 1229 konnte dieser Machtverlust nicht wieder rückgängig gemacht werden und die einst weltbekannte Stadt versank in der Vergessenheit.
Heute gelangt man immer noch über die Puente Romano, die Römerbrücke mit ihren 60 Granitbögen auf 792 Metern Länge, die über den Río Guadiana führt, in die Stadt. Sie führt direkt zur Alcazaba, einer römischen Befestigung, die die Mauren schließlich auf ihre heutigen Maße vergrößerten und die Santiagoritter zum Kloster umfunktionierten. Wenige Schritte weiter gelangt man zur Plaza de España mit ihrer Kirche Santa María la Mayor, auf die weiter nördlich der Arco de Trajano folgt. Dies ist ein römischer Triumphbogen von knapp 13 Metern Höhe, der einst das Ende und den Ausgang der römischen Stadt markierte.
Auf der Calle Sagasta gelangt man von der Alcazaba zum Templo de Diana, der jedoch nur noch zum Teil erhalten ist, da Steine von ihm abgetragen wurden, um den angrenzenden Palast zu errichten. Von hier aus geht es weiter gen Osten zum Museo Nacional de Arte Romano, das alte Gebrauchsgegenstände der Römer, aber auch Münzen, Gläser, Skulpturen und Malereien ausstellt, die bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Das Museum ist über einem Teil der römischen Siedlung gebaut und bereits auf dem Weg dorthin ist man über die Ruinen des römischen Forums gegangen.
Direkt gegenüber dem Museum liegt die Hauptattraktion der Stadt, das große Ausgrabungsfeld mit den großen Überbleibseln römischer Architektur. Das Teatro Romano, ein römisches Theater, fasste einst 6.000 Menschen, was wohl selten ausreichend war, lebten doch schon damals 50.000 Menschen hier. Gleich nebenan liegt ein Amphitheater, in dem Gladiatorenkämpfe von bis zu 15.000 Zuschauern verfolgt werden konnten sowie ein römisches Bürgerhaus, in dem man noch Reste der Wandfresken und des Mosaikfußbodens erkennt. Teile einer römischen Therme wurden direkt nebenan ausgegraben, während weiter nordwestlich der Circo Romano stand. In diesem Zirkus wurden zum Beispiel Wagenrennen veranstaltet und es fasste stattliche 30.000 Besucher.
Läuft man in Richtung Bahnlinie, vorbei an der Kirche Santa Eulalia, gelangt man zum Acueducto de los Milagros, dem „Wunderbau“. Es ist ein römisches Aquädukt in höchster Vollendung, mit bis zu drei Stockwerken, das einst aus dem 10 Kilometer entfernten Stausee Wasser in die Stadt leitete und von dem immerhin noch 37 Pfeiler mit ihren obenauf stehenden Stockwerken erhalten sind.
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