Massentourismus auf Mallorca
25. März, 2008 von Moderator
Tourismus auf Mallorca Fluch und Segen zugleich
Es ist kein Wunder, dass man bei der Beschäftigung mit Mallorca wieder und wieder auf den Begriff „Tourismus“ stößt. Selbst wenn man keine eigene Reise auf die Insel plant, ist der Tourismus auf die eine oder andere Art allgegenwärtig, und auch jenseits der Hauptbesuchszeiten merkt man immer wieder, dass man sich in weiten Teilen der Insel in einer touristischen Hochburg befindet – immerhin kommen über das Jahr verteilt auf jeden Bewohner der Insel bis zu zehn Besucher.
Das ist ein touristisches Ausmaß, dass man sich als Deutscher nicht einmal dann vorstellen kann, wenn man aus einer touristisch frequentierten Region stammt.
Mallorca hat das höchste Sozialprodukt von ganz Spanien, und Wohlstand und Lebensstandard auf der Insel sind sehr hoch. Jedem Mallorquiner ist klar, dass er diese Vorzüge den Touristen verdankt, denn es ist nicht die mallorquinische Industrie oder Landwirtschaft, die solche Gewinne erwirtschaftet – es ist der Tourismus. Diese Tatsache allerdings ist vielen Mallorquinern recht unangenehm, da sie – auch wenn sie vom Temperament her den Spaniern nicht immer ähnlich sind – dennoch ein sehr stolzes Volk sind.
Man weiss, dass der Tourismus wichtig ist, und doch ist das Verhältnis der Inselbewohner zu den ausländischen Besuchern oft sehr zwiespältig. Die Touristenmassen, die jedes Jahr die Insel besuchen, erinnern aus der Sicht der Mallorquiner stark an ausländische Besatzer, und auch wenn diese „Besatzer“ den Wohlstand bringen und nicht nehmen, sieht man sie aufgrund der Geschichte der Insel nicht unbedingt gerne – Mallorca ist zu froh, dass es nicht nur einige Jahrhunderte von neuen Besatzungmächten verschont blieb, sondern nun sogar eine gewisse Unabhängigkeit gewinnen konnte.
Die mallorquinische Eigenart, vor der wirtschaftlichen Wichtigkeit des Tourismus die Augen zu verschließen, mag man den Inselbewohnern anlasten – es ist aber auch klar, dass viele Ausländer sich in der Fremde nicht immer unbedingt vorbildlich verhalten und das vor allem die starke Präsenz solcher Fremde allein schon ausreichen kann, um unangenehme Gefühle hervorzurufen. Man braucht sich nur einmal vorzustellen, in der eigenen Heimat fünf Monate im Jahr unter den vielen Menschen auf der Straße einmal kaum jemanden zu treffen, der die gleiche Sprache spricht wie man selbst – dann wird leicht klar, dass der wirtschaftlich so angenehme Tourismus für Mallorca nicht nur ein Segen ist.
Nicht zuletzt aus diesem Grund ist gerade das Verhältnis der Mallorquiner zu deutschen Touristen seit einiger Zeit ein wenig gestört – der unangenehme Scherz eines Bundestagsabgeordneten, man sollte Spanien die Insel doch einfach abkaufen, prangte natürlich auch auf der Bildzeitung, die man in Mallorca nicht nur allerortens findet, sondern die auch von den Einheimischen meist verstanden wird.
Dies nehmen manche Mallorquiner den Deutschen bis heute übel, und auch wenn uns natürlich klar ist, dass es sich bei dieser geschmacklosen Äußerung um einen Scherz handelt, ist der Ärger doch leicht verständlich. Was schließlich würde man in Deutschland sagen, wenn Amerika scherzhaft die Absicht äußern würde, Bayern zu kaufen, weil man die Lederhosen so sehr schätzt?
Der Tourismus ist ein wirtschaftlicher Segen, aber eine psychische Belastung für die Mallorquiner, und diese Tatsache ist eigentlich leicht verständlich.
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