Leon Spanien
27. März, 2007 von Moderator
Léon, einer der Anlaufpunkte für Pilger des Jakobswegs
León war einst die Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs, dessen Hoheitsgebiet im Mittelalter vom Atlantik bis über Pyrenäen zur Rhône reichte. In diese Zeit zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert fällt auch die Blütezeit der Stadt.
Nach der Vereinigung der Königreiche von León und Kastilien 1230 verlor sie zunehmend an Bedeutung, bis sie in der Neuzeit zu einem wichtigen Zentrum der Industrie aufgrund ihrer Eisenerz- und Kohleflöze wurde. Einzig für die Jakobspilger versank die Stadt niemals in der Bedeutungslosigkeit. Für sie stellt León seit je her das wichtigste Etappenziel auf dem Weg nach Santiago de Compostela dar: Es ist die letzte Möglichkeit noch einmal Kraft zu tanken für die letzte anstrengende Etappe über die Gebirgszüge des kantabrischen Massivs zur Küste.
Insofern verwundert es nicht, dass die Stadt ein bedeutendes religiöses Zentrum und die wichtigste Sehenswürdigkeit ein Sakralbau aus der Zeit der spanischen Gotik ist. Die Catedral Santa María de Regla wurde zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert erbaut und ist vom Aussehen her eng verwandt mit den Kathedralen von Reims und Amiens. Überdies ist sie eines der besterhaltenen und am wenigsten veränderten Bauwerke der spanischen Frühgotik. Die Hauptfassade an der Westseite mit ihrem mächtigen Rosettenfenster und den beiden Glockentürmen, die die prunkvoll verzierten Torbögen säumen, sticht dabei als besonderes Kunstwerk heraus.
Vor allem das Mitteltor, die Puerta de Nuestra Señora la Blanca, sollte man sich genauer betrachten: Einige der dargestellten Figuren erkennt man sicherlich wieder, beispielsweise die heilige Maria auf der mittleren Säule oder das jüngste Gericht, das im obersten Teil des Portals dargestellt ist. Rechts und links, auf den kleineren Eingangstoren sind die Krönung Marias, beziehungsweise die Geburt und Kindheit Jesu figürlich dargestellt. Doch auch im Innenraum findet man exquisite Besonderheiten, wie etwa die Fenster, die mit ihrem einzigartigen Lichtspiel ihresgleichen in Spanien suchen. Die rund 1 800 m² an bunten Glasfenstern entstanden zwischen dem 13. und 20. Jahrhundert, wobei die ältesten Fenster hier die Rosetten an der West- und Nordseite der Kathedrale sind sowie einige noch erhaltene Stücke in den mittleren Chorkapellen.
Der prunkvolle Chor aus Alabaster und Gold entstand erst 1575, also noch etwas später als das kunstvoll geschnitzte Chorgestühl, das im 15. und 16. Jahrhundert von flämischen Meistern bearbeitet wurde. Dennoch ist er eine der essentiellsten Sehenswürdigkeiten der Kathedrale, nebst den Fenstern und dem Hochaltar. Auf diesem kann man einen silbernen Schrein ausmachen, in dem die Reliquien des Schutzpatrons der Stadt, dem heiligen Froilán, aufbewahrt werden. In den Kapellen rundherum sind die Gräber der Könige von León untergebracht und über einen freskengeschmückten Kreuzgang im Norden des Sakralbaus gelangt man ins Museo Catedralicio y Diocesano, das Kathedralmuseum. In diesem wird die Baugeschichte des Gotteshauses anschaulich erläutert. Außerdem sind dort überaus wertvolle sakrale Gegenstände ausgestellt, wie etwa eine westgotische Bibel aus dem 10. Jahrhundert, eine Pergamentschrift aus dem 6. Jahrhundert, Skulpturen, Gemälde und die „Lex Romana Wisigothorum“, eine gut erhaltene Schrift des römischen Rechts.
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