Geschichte von Spanien

Frühzeit und Antike

Die Geschichte der Iberischen Halbinsel und somit die Geschichte Spaniens beginnt bereits vor rund 60 000 Jahren, wie Funde von Neandertalerknochen belegen.


Die Schädel eines erwachsenen und eines Kleinkind-Neandertalers wurden in einer Höhle im Felsen von Gibraltar entdeckt, der im Altertum als eine der Säulen des Herakles galt, heute jedoch Staatsgebiet des Vereinigten Königreichs ist und nicht mehr zu Spanien gehört.

Dafür finden sich etliche Spuren der menschlichen Weiterentwicklung des Neandertalers, des Homo Sapiens im heutigen Spanien, vor allem Wandmalereien, Höhlengravierungen, Knochen und Werkzeuge. In der Höhle von Altamira bei Santillana del Mar beispielsweise, wo man über 150 Wandmalereien aus der Zeit von 16 000 bis 14 000 vor Christus sehen kann oder in den beiden Höhlen La Pileta bei Ronda und einer weiteren bei Nerja in Málaga, in denen bislang zusätzlich über 300 Artefakte, wie Steinwerkzeuge, gefunden wurden. Die jüngsten Höhlenmalereien und erste gefundene Grabbeigaben wie Schmuck, werden ungefähr auf 6 000 Jahre vor Christus datiert und sind unter anderem in der Höhle „Cueva de los Murciélagos“ in Granada zu sehen.

Bereits an dieser Stelle erkennt man, dass sich in der Frühzeit der Trend abzeichnet, dass fast ausschließlich der Südteil Spaniens von Menschen und neuen Völkern als erstes besiedelt wurde. So findet man die ersten bekannten Hügelgräber des Bronzezeitalters aus ungefähr dem dritten Jahrtausend vor Christus ebenfalls im Süden, in der Provinz Málaga. Die beiden Gräber Dolmen de Menga und Dolmen de Viera bei Antequera sind mit die größten bekannten bronzezeitalterlichen Bauten dieser Art in Europa.

Selbst die Iberer, ein Volk afrikanischen Stammes, nach denen die Halbinsel benannt wurde, siedelten gegen 1 000 vor Christi an der Südküste an. Und auch die Phönizier, die in etwa zur selben Zeit folgten, legten ihre erste Kolonie „Gades“, das heutige Cádiz an der südwestlichen Küstenlinie an. Diese Kolonie sollte ein wichtiger Handelsposten für die Phönizier, die hier einen Rastpunkt auf dem Weg zu den „Zinninseln“ Großbritanniens hatten und die erste große Stadt Europas werden. Die Phönizier betrieben unter anderem Handel mit Römern und Griechen, von denen Letztere ebenfalls Handelsposten an der Südküste um Málaga herum errichteten.

Gegen 500 bis 400 vor Christi wanderten Kelten aus dem kühleren Norden Europas auf die Iberische Halbinsel, wo sie nach zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Iberern im Norden schließlich mit ihnen zum Volksstamm der Keltiberer verschmolzen. Nur wenige Jahrhunderte später, zur Zeit der ersten punischen Kriege um 237 vor Christus, wurden der Osten und Süden der Halbinsel von den aus Karthago einfallenden Heeren erobert, die dort Neu-Karthago, das heutige Cartagena gründeten. Diese Stadt wurde dem von den Phöniziern abstammenden Volk jedoch im zweiten punischen Krieg gegen 206 v. Chr. von den Römern abgejagt.

Diese versuchten in den folgenden 200 Jahren nun die Iberische Halbinsel der Herrschaft Roms zu unterwerfen, wofür sie blutige Schlachten gegen die Keltiberer und Lusitanier im Zentrum und Norden der Insel führen mussten. Erst 19 vor Christus wurde der letzte Widerstand besiegt und Kaiser Augustus teilte die Halbinsel in die Provinzen Lusitania, Baetica und Taraconensis. Lusitania gilt als Vorläufer Portugals und war dementsprechend im Osten des Landes gelegen, Baetica gab den Basken im Norden ihren Namen, während Taraconensis das ganze zentrale und südliche „Hispanien“, wie es genannt wurde, einnahm.

Das ganze Land, aber vor allem Baetica, wurde rasch romanisiert mit zahlreichen Kastellen, Straßen und Aquädukten, erhielt von Kaiser Vespasian das lateinische Bürgerrecht und wurde seit dem 3. Jahrhundert rasend schnell christianisiert, unter anderem durch Verfolgungen unter Kaiser Konstantin I.. Aus Hispanien stammten schließlich sogar römische Kaiser oder deren Familien, wie etwa die Familien des Marcus Aurelius und Hadrians.

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