Essen Mallorca
21. Februar, 2007 von Moderator
Zwischen touristischem Anspruch und eigenen Traditionen
In Bezug auf die heimischen kulinarischen Spezialitäten sind die Balearen ein interessanter Sonderfall.
Einerseits platzieren sie sich als international beliebtes Reiseziel, das noch immer auch bei kulturell nicht besonders interessierten Touristen sehr beliebt ist, zum anderen sind sie aber auch bekannt als Domizil vieler wohlhabender Menschen, die sich weitaus mehr für Kultur und Küche eines fremden Landes interessieren.
Die vollkommene Verkörperung dieses Widerspruchs ist sicherlich Mallorca – touristische Hochburgen wie Arenal sind noch immer das Reiseziel von Touristen, die an Mallorca nichts interessiert außer der Sonne und den Mallorquinischen Stränden, während manche Straßen in der Hauptstadt der Insel so dicht mit Feinschmeckerrestaurants besiedelt sind, dass man sich in einer Hochburg der Kochkunst befindet.
Das „wahre“ Mallorca gibt es in dieser Beziehung ebenso wenig wie die „wahren“ Balearen. Beide Aspekte sind Teil eines Ganzen, das sich zusammensetzt aus den Interessen der internationalen Besucher, aber auch aus dem Stolz und der Eigentümlichkeit der Inselbewohner.
Dementsprechend kann eine kulinarische Reise zu den Balearen zu zwei grundsätzlich verschiedenen Ergebnissen kommen: sie kann erschrecken ob der starken Präsenz der „internationalen“ Küche, sie kann aber auch überzeugen durch die Vielzahl wirklich guter spanischer, mallorquinischer und balearischer Restaurants, die man hier auf engem Raum findet.
Nun kann man natürlich einem Besucher der Balearen nicht vorschreiben, dass er ein großes Interesse an der Kochkunst dieser Inselgruppe aufweisen muss und dementsprechend ist es sicherlich nicht wirklich abzulehnen, dass man sich in deutscher oder englischer Manier mit Imbisskost versorgen kann, wenn man Interesse daran hat. Man sollte nur nicht den Fehler machen, sich als anderweitig interessierter Tourist an die falschen Orte zu begeben, wenn man eine Enttäuschung vermeiden will.
Der Begriff „Internationale Küche“ ist auf den Balearen an den Orten, wo man ihn vorfindet, jedenfalls kein Qualitätsprädikat, sondern vielmehr ein Anzeichen dafür, dass man sich in einem Einzugsbereich des Massentourismus befindet. Diese Küche setzt sich zusammen aus Pommes Frites mit verschiedenen Fleisch- oder Fischgerichten, angereichert mit Salat, der bestenfalls einen Hauch an balearischer Art mit sich bringt – die anderen Gerichte entsprechen prinzipiell genau dem, was man in Deutschland in einer Imbissbude zu erwarten hat.
Auch hier gibt es natürlich solche Schnellküchen, die sich mit den Spezialitäten des einen oder anderen Landes schmücken – türkische Inhaber bieten zum Beispiel auch in Deutschland neben Schnitzel und Pommes immer wieder auch Döner oder türkische Pizzen an. Besonders in Mallorca findet man ein teilweise erschreckend deutliches Abbild der heimischen Schnellimbisskultur, das vielleicht erstrebenswert ist für eine schnelle Mahlzeit zwischendurch, das man aber weder als typisch für die Inselgruppe einstufen sollte, noch dass man es als wirklichen Genuss bezeichnen könnte. Glücklicherweise bedeutet diese weit verbreitete Unkultur aber keineswegs, daß Liebhaber guten Essens in Mallorca eine gastronomische Wüste erwartet.
Mallorcas zunehmende Anziehungskraft auf die kaufkräftige Oberschicht westlicher Staaten hat ihren Niederschlag auch in der Gastronomie gefunden. Es dürfte derzeit kaum einen Flecken im Mittelmeerraum geben, an dem so viele ausgezeichnetes Spezialitätenrestaurants um die Gunst verwöhnter Feinschmecker buhlen. Diese Konzentration von ansprechenden Restaurants findet man natürlich nicht in den Orten, wo die Sonnensucher in großen Massen zum Meer drängen – diese Orte sind dann doch eher die Hochburgen der internationalen Imbissküche.
Man sollte allerdings nicht den Fehler machen, die Balearen strikt in anspruchsvolle und kostspielige Restaurants und die einfache internationale Küche zu trennen. Viele kleine Restaurants, bei denen kein mit Sternen, Kochmützen und Kochlöffeln ausgezeichneter Starkoch hinter dem Herd steht, bieten oft positive Überraschungen zu günstigen Preisen. Insbesondere kann man in solchen Häusern meist sehr günstig essen, wenn man Nutzen aus den spanischen Gesetzen zieht, die jedem Restaurant einen preisgünstigen Mittagstisch vorschreiben, in dem sogar der Wein enthalten sein muss. Ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis wird man auch in weitaus günstigeren Urlaubsländern nur selten finden.
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