Ballermann Tourismus

Mallorcas typischer Tourist und das Verhältniss zum Ureinwohner

Das Spannungsverhältnis zwischen Ureinwohnern und Touristen entsteht nicht nur durch die große Zahl der Besucher, sondern wird noch verschärft durch die Eigenarten der Mallorquiner und einiger Touristen.


Wo man in Mallorca der Überzeugung ist, dass es „unwürdig“ ist, in Shorts und mit nacktem Oberkörper oder als Frau im Stranddress durch die Stadt zu bummeln, da pochen manche Touristen auf ihr Recht, es im Urlaub bequem zu haben.

Da macht es auch keinen Unterschied, ob man nur durch die Straße geht, ins Restaurant oder gar in die Kathedrale – man weiss ja, dass die Klischeevorstellungen vom deutschen Touristen leider jedes Jahr oft wieder in die Tat umgesetzt werden, und auch wenn man bei uns ein wenig auf seine Schrulligkeit pochen kann, heisst das nicht, dass Mallorquiner hierfür Verständnis haben müssen; viele Deutsche haben es ja auch nicht.

Zu diesem Problemherd gesellt sich nun noch der Stolz – da hat man als Mallorquiner so viele Fremde im Land, ist wirtschaftlich von ihnen abhängig, und sie benehmen sich teilweise auch noch so, als ob ihnen das Land in der Tat gehören würde – leicht verständlich, dass man gewissermaßen auf einem „Pulverfass“ sitzt.

Nun sollte man nicht dem Missverständnis unterliegen, dass Besucher auf Mallorca nicht willkommen wären – sie sind es in der Tat, und wahrscheinlich konnte sich der Tourismus nur so gut entwickeln, weil Mallorquiner so gute Gastgeber sind. Im Übermaß aber kann es dennoch zu Problemen kommen.

Viele Mallorquiner geben sich große Mühe, Fehlverhalten von Touristen einfach zu übersehen, und man kann sich eine Menge erlauben, ehe man von einem Einheimischen auf einen Fehler hingewiesen wird. Wahrgenommen werden solche Faux-Pas allerdings schon, und so ist es kein Wunder, dass sich da und dort auch schon einmal der Ärger anstaut. Da ist es auch kein Wunder, dass man manchem stolzen Mallorquiner und mancher stolzen Malloquinerin die Einschätzung gegenüber „würdelosen Ausländern“ leicht im Gesicht ablesen kann.

Wenn sie als Tourist nun nicht zu der Sorte gehören, die sich im Urlaub unbedingt auf diese Art und Weise benehmen möchten, werden sie auch in Mallorca normalerweise kaum auf Probleme stoßen, weil man durch die Wahrung einiger einfacher Spielregeln sehr einfach solche Schwierigkeiten umgehen kann.

Betrachten sie sich als Gast, aber nicht als Gast, zu deren Versorgung die Mallorquiner verpflichtet sind – auch in der deutschen Gastronomie gibt es beispielsweise Regeln zu beachten, die man im Ausland nicht über Bord werfen sollte. Respektieren sie die Vorstellungen der Mallorquiner ebenso, wie sie es in einem Land tun würden, in dem Deutsche nicht in der „Überzahl“ sind.
Auf diese Weise verhindert man sehr einfach und mit eigentlich selbstverständlicher Höflichkeit dass man sich bei den Touristen einreiht, die den Mallorquinern in der Vergangenheit so unangenehm aufgefallen sind.

Fremde, die bei den Mallorquinern Rat suchen oder die um Auskunft über Sitten und Gebräuche oder andere mallorquinische Besonderheiten bitten, werden trotz aller potentiellen Konflikte von den Bewohnern der Insel sehr geschätzt. Man kann eigentlich ziemlich sicher sein, über die meist sehr freundliche Aufnahme hinaus ernstgenommen und geschätzt zu werden.

Schließlich sind sich die Mallorquiner – trotz aller Probleme, die sie eventuell mit ihrem Stolz den Touristen gegenüber haben – durchaus bewusst, dass sie es den vielen Besuchern zu verdanken haben, dass es ihnen mittlerweile so vergleichsweise gut geht. Daher sollte man sich nicht zu der Annahme verleiten lassen, dass man in Mallorca das Geld zwar gerne nimmt, Touristen aber prinzipiell nicht mag – es ist vielmehr die berechtigte Kritik am Verhalten einiger weniger Touristen, die ein Spannungsverhältnis hervorgerufen hat, welches sich individuell meist leicht beheben lässt.

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10 Kommentare zu “Ballermann Tourismus”

  1. am 28. Mrz 2008 um 10:17Andreas

    Man sollte die Mallorquiner und ihre Mentalität respektieren und sich bis zu einem gewissen Maße anpassen. Auch sollte man unbedingt ihre Bräuche usw. einmal ausprobieren, z. B. an ihren Festen teilnehmen, mit Ihnen versuchen zu reden, wenn auch nur mit Händen und Füssen. Dabei lernt man die Sprache besser kennen und schätzen.

  2. am 28. Mrz 2008 um 11:27Dominik

    Der Artikel bietet einen groben Überblick von der Situation deutscher Touristen auf Mallorca und deren Verhältnis zu den Einheimischen.
    Meiner Meinung nach bietet er dem “normalen” deutschen Touristen die Möglichkeit sich besser über sein Urlaubsziel zu informieren. Außerdem wird berücksichtigt, dass sich die Mallorquiner, trotz ihrer großen Gastfreundschaft, auch nicht alles gefallen lassen, und man das bedenken sollte um sich Probleme zu ersparen.
    Für einen umfangreichen und informationstragenden Reiseführer halte ich den Artikel dennoch nicht. Trotzdem kann er für den “normalen” deutschen Touristen hilfreich sein um sich Probleme im Urlaub zu ersparen.

  3. am 03. Apr 2008 um 13:24Lukas

    Ich stimme dem Artikel oben vollkommen zu, denn wenn wir mal ehrlich sind, dann würden uns die typischen Ballermann-Touristen als Mallorquiner doch auch stören. Da ich mal in Heidelberg gelebt habe, kann ich durchaus nachvollziehen, dass Touristen anstrengend sein können. Aber sie machen auch den Flair einer Stadt/Region etc. aus, und wenn sie sich angemessen verhalten, dann ist nichts gegen sie einzuwenden.

  4. am 26. Mai 2008 um 13:40Steve H.

    Ich finde es gut das der Artikel “Ballermann Tourismus” die Probleme der Mallorquiner betont. Die meisten deutschen Touristen fliegen nach Mallorca um Party zum machen und den Ballermann zu besuchen. Bräuche und Sitten der Mallorquiner spielen dabei keine Rolle. Besonders traurig finde ich es dann, wenn man die Einheimigen nicht respektiert und schätzt. Man kann nicht einfach in ein Land gehen, auf welches die Menschen stolz sind und sich dann respektlos betrinken und damit den Stolz der Einheimigen zu verletzen.

  5. am 02. Jun 2008 um 11:17Angelina

    Ich denke, nicht nur die Ballermanntouristen oder auch die “normalen” Touristen sollten respektieren, dass sie GÄSTE sind - besonders sollten das auch die sogenannten “Einwanderer” , die sich oft noch viel schlechter benehmen, als so mancher Ballermanniac - das fängt an mit der Tatsache, dass sie oft auch nach Jahren der Landessprache nicht kundig sind - und hört auf mit der Tatsache, dass sie die Insel längst als Vorort von Düsseldorf betrachten und für viele dieser Deutschen sind die Mallorquinos eher ein Störfaktor als ein Gastgeber .

  6. am 18. Mrz 2009 um 09:07Alexander Klemm

    Wie in dem Artikel schon gesagt, bezieht sich der Mangel an Respekt vor den Sitten und der Kultur der Mallorquiner hauptsächlich auf individuelle Einzelfälle einiger “Ballermann-Touristen”. Wie ein Sprichwort so schön sagt, bestätigen Ausnahmen ja meistens die Regel und ich denke so ist es auch in diesem Fall. Ich gehe davon aus, dass die meisten Urlauber inzwischen sehr genau wissen, dass die Tage des Wetttrinkens am Ballermann und der ausgelassenen Parties am Strand und auf den Straßen vorbei sind. Vielmehr hört man immer öfter von Urlaubern, welche das Land wegen seiner schönen Landschaften und seiner Kultur besuchen. Die vielen kleinen, schönen, ländlichen Regionen treten immer mehr in den Vordergrund und wecken das Interesse von einer ganz neuen Art des Mallorca Urlaubers. Zwar gibt es immer noch genug Menschen, die sich Mallorca nur wegen der Discotheken und Strandparties als Urlaubsziel aussuchen, deren Zahl schwindet jedoch von Jahr zu Jahr immer mehr, auch aufgrund der stätig zunehmenden Zahl von Urlaubern, die diese Insel wegen ihrer Schönheit und nicht wegen ihres Partyfaktors besuchen.

  7. am 18. Mrz 2009 um 12:12Diana Reichert

    Aus diesem Aritkel lässt sich erschließen, dass die Malloruiner doch verletzlicher sind, als ihr sonniges Gemüht es erahnen lässt. Nichts desto trotz sollte man als Besucher eines fremden Landes stets Respekt gegenüber deren Kultur, Sitten und Bräuche entgegenbringen. Dass manche Touristen jedoch nach der Divise: “Ich hab bezahlt, also darf ich alles.”, in das Land treten, kann man leider nicht verhindern. Somit versteh ich so manchen erbosten Mallorquiner. Ich hoffe, dass diese Differenz zwischen Gast und Gastgeber nicht größer wird.

  8. am 01. Sep 2009 um 07:22Julia

    Meiner Meinung nach ist der obige Artikel gelungen und ich würde ihm 100%-ig zustimmen. Aus diesem Grund muss ich dir - Alexander Klemm - leider etwas widersprechen:
    Ich habe dieses Jahr mein Abitur gemacht und natürlich hat unsere Stufe darüber diskutiert, wo man ein letztes Mal zusammen hinfahren soll. Und natürlich kam der Vorschlag: Mallorca. Schon in der ersten Rund-Mail, die an die ganze Stufe verschickt wurde, ging es darum, wer welchen Alkohol mitbringt und dass man 7 Tage am Stück nur Party machen will.
    Da ich selbst kein Alkohol trinke und lieber die Sonne und andere Länder genieße, habe ich beschlossen, nicht mitzugehen. Party machen kann ich auch zu Hause. Dafür muss ich nicht so viel Geld ausgeben. Ich möchte doch dann auch etwas von der Kultur des Landes erfahren, in das ich reise…
    Aber natürlich habe ich mich ausführlich aufklären lassen, was meine lieben Stufenkameraden auf “Malle” so getrieben haben… und ich kann da nur mit dem Kopf schütteln. Echt nur noch peinlich. Von abends bis morgens nur “gesoffen” und herumgegrölt. Ich kann sowas einfach nicht verstehen! Schade, da muss man sich echt für andere Menschen schämen!!!

  9. am 01. Sep 2009 um 07:28Partyking

    Ja, also ich sehe das Ganze halb so schlimm, wie in diesem Artikel beschrieben. Zu Malle gehört einfach Party. Was gibt es geileres als Party am Ballermann? Viel Alkohol, jede Menge Menschen, die locker drauf sind und mit dir feiern wollen und natürlich viele heiße Mädels.
    Die Mallorquiner sollen sich mal nicht so aufregen. Schließlich verdienen sie an uns und darüber sollen sie froh sein!
    Ich werde auf alle Fälle nächstes Jahr mit meinen Kumpels wieder hinfliegen und mal schauen, wer von uns Jungs dann die meisten Mädels abschleppen kann :-)

  10. am 01. Sep 2009 um 07:35Melanie

    Super Artikel. Als ich angefangen habe zu lesen, ist mir gleich etwas eingefallen bzgl. Sitten beachten und respektieren: ich finde es unmöglich, wie sich manche Deutsche (oder auch andere) in fremden Ländern verhalten. Wie oft habe ich schon erlebt, dass die Frauen teilweise in Ländern wie Tunesien mit komplett nacktem Oberkörper am Strand liegen. So etwas gehört sich dort einfach nicht. Genauso schlimm ist es, wenn die männlichen Urlauber mit Shorts und Unterhemd zum Abendessen erscheinen und einfach die Verbotsschilder an den Türen ignorieren. Das kann ich einfach nicht verstehen. Auch, wenn mich im Urlaub niemand kennt, möchte ich doch einen guten Eindruck hinterlassen.
    Und zudem sollte man auch den Einheimischen den nötigen Respekt entgegenbringen, denn das selbe verlangen wir ja auch von ihnen!

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