Die Kultur der Balearen
Die Kultur der Balearen ist ein vielfältiges Gemisch aus einer ganzen Reihe von Einflüssen, der die Inselgruppe im Verlauf der Geschichte ausgesetzt war. Zwar haben es die Bewohner der Inseln durchaus geschafft, jedem Einfluss ein gewisses Maß an ureigener balearischer Kultur entgegen zu setzen, doch kann man nicht davon ausgehen, eine „unverfälschte“ Kultur im Reinsinne vorzufinden, wenn man eine oder mehrere Inseln dieser Gruppe besucht.
Einer der prägendsten Einflüsse in der Frühzeit der balearischen Kultur waren zweifelsohne die Römer. Man wandelte sich in der damaligen Periode, die rund 500 Jahre dauerte, von einer sehr traditionalistischen Kultur, die hauptsächlich an der Erhaltung ihrer Traditionen interessiert war, zu einem Volk, dass dem antiken römischen „Fortschrittsglauben“ einiges abgewinnen konnte.
Die Menschen der Balearen blicken heute mit einem gewissen Stolz auf diesen Teil der Geschichte zurück, weil die vielen Jahrhunderte, die seitdem vergangen sein, die Schmach einer Besetzung mit dem angenehmen Gefühl, Teil eines mächtigen Reichs gewesen zu sein, überspielt wird. Vor allem für Historiker, die sich für diese Periode interessieren, haben die Balearen interessante Zeugnisse einer Mischkultur zu bieten, die ausgefallener ist als die vieler anderer Provinzen des Römischen Reichs. In der heutigen Kultur ist von der Präsenz des Imperiums aber – wie in anderen Provinzen auch – abgesehen von historische Bauwerken und Ruinen nicht mehr viel übrig.
Kulturell gesehen wichtiger sind daher nach allgemeiner Meinung die Phasen, die dieser ersten „Hochzeit“ der Balearen folgten, da man hier viel deutlicher etwas über die Menschen dieser Inselgruppe und ihr Leben lernen kann.
Dem Römischen Imperium brachte man nach den ersten militärischen Auseinandersetzungen vergleichsweise wenig Widerstand entgegen, da das Imperium Romanum die Eigenart hatte, den Preis der Besatzung mit zivilisatorischen Errungenschaften und Sicherheiten ausgiebig zu „bezahlen“.
Es ist daher kein Wunder, dass man die typisch balearische Lebensart, die bis heute von einer starken Abneigung gegen „Eindringlinge“ geprägt ist, in späteren Jahrhunderten deutlicher wiederfindet – man erkennt hier einen deutlichen Zug dieser Inseln, nämlich Stolz und Widerstandskraft, den man den Menschen dieser Inseln bis heute nachsagt. Die Bewohner antworteten gegen jede neue Besetzung mit Widerstand und wo er nicht offen zu leisten war, da kämpften sie im Geheimen gegen die Eindringlinge – ein Umstand, den man im Lauf der Jahrhunderte am immer wieder aufkommenden Seeräubertum der Balearen leicht erkennen kann.
Sicher, Spuren hinterlassen haben diese Kulturen schon – am deutlichsten wahrscheinlich die Mauren und die Spanier, doch spürt man auch türkische Einflüsse in manchen Teilen der Inseln. Der Baustil, aber auch die Lebensart und die Mentalität der Menschen ist geprägt durch arabische Einflüsse, die heute nicht sehr deutlich sind, die man aber gerade als Außenstehender vergleichsweise gut erkennen kann. Der Stolz der Inselbewohner vertrug sich sehr gut mit den Ehrvorstellungen der arabischen Völker, die hier über Jahrhunderte herrschten und er gehört schließlich auch zur Mentalität der Spanier, die bis heute den stärksten Einfluss auf diese Inseln haben.
Man erkennt sie leicht als ein gastfreundliches und dennoch auf eigentümliche Weise verschlossenes Volk, das einerseits Fremde gern empfängt, diesen aber auch einen deutlichen Respekt gegenüber ihren Gastgebern abverlangt. Dies hängt zusammen mit den Ehrvorstellungen, die heute noch in weiten Teilen der balearischen Inseln lebendig sind und die durch die teilweise sehr starke Präsenz von Touristen nur verstärkt wurden. Wie in vielen anderen Ländern hat auch hier der touristische Boom vor allem die Menschen der Inseln enger zusammengeführt – man unterscheidet heute merklich zwischen Einheimischen und „Fremden“ und legt den beiden Gruppen gegenüber auch ein sichtlich anderes Verhalten an den Tag.
Jenseits der touristischen Zentren zeigen sich die Bewohner der Inseln als ein vergleichsweise einfaches Volk, in dem noch Werte Bedeutung haben, die in vielen modernen Gesellschaften schon im Abbau begriffen sind. Die landwirtschaftlich geprägten Regionen des Hinterlands sind eine wichtige Wurzel dieser Kultur, die für das Selbstverständnis der Menschen viel wichtiger ist als das Leben in den Städten, die vom relativen Wohlstand durch den Tourismus profitieren.
Wie in Frankreich herrscht auch hier eine vergleichsweise strikte Trennung zwischen den Zentren und der Provinz, und auch wenn gerade junge Leute dem „Mythos“ der Städte eine Menge abgewinnen können, so packt doch viele Menschen, die vom Land stammen, irgendwann die Sehnsucht nach diesem Leben, das zwar romantisch verklärt wird, das aber scheinbar wirklich seine Vorzüge hat, mit dem die urbane Kultur in manchen Bereichen nicht mithalten kann.
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