Balearen Tourismus

Wie sich der Tourismus auf den Balearen gewandelt hat

Die Geschichte des Tourismus auf den Balearen ist ein zweischneidiges Schwert, über das man an vielen Orten nicht gerne spricht.


Unzweifelhaft ist der Tourismus für viele der Inseln eine überaus wichtige Einkommensquelle und viele Bewohner hängen in ihren Arbeitsplätzen direkt oder indirekt von den Touristen ab – so erwirtschaften zum Beispiel manche Einzelhändler nur deshalb so gute Gewinne, weil die touristische Industrie ihnen eine ganze Reihe von balearischen, kaufkräftigen Kunden beschert.

Gerade diese Abhängigkeit ist den Menschen allerdings ein Dorn im Auge und dies in einem gewissen Maße auch zurecht. Es gibt Touristen, die die Balearen mit dem scheinbaren Bewusstsein besuchen, dass es sich um einen gigantischen Vergnügungspark handelt, in dem man sich durch seine „Eintrittsgebühr“ gewisse Rechte erkauft, die sie sich dann auch überdeutlich herausnehmen.

So ist es kein Wunder, dass der Wohlstand einerseits und die unangemessene Arroganz auf der anderen Seite die Schere zwischen Bewohnern und Besuchern der Inselgruppe auseinander getrieben haben – man traf sich im „öffentlichen Raum“, den touristischen Einrichtungen auf der Insel, während man sich ansonsten aus dem Weg zu gehen versuchte.

Mittlerweile haben die Tourismusbehörden der Inseln eine Wandlung ins Leben gerufen, die die Balearen von einem ehemals günstigen Urlaubsziel zu einem Reiseziel für besser situierte Kultururlauber machte, was natürlich auch eine Veränderung in der Beziehung zwischen Bewohnern und Besuchern hervorgerufen hat. Das Konfliktpotential, das in der Vergangenheit die eine oder andere unangenehme Auseinandersetzung begründete, ist zwar nicht verschwunden, aber doch stark eingedämmt geworden.

Den Menschen auf den Balearen gefällt diese Entwicklung: es kommen zwar weniger Touristen, diese bringen jedoch eine offenere Mentalität und eine ausreichende Kaufkraft mit sich, so dass es nicht zu einem finanziellen Verlust für die Menschen der Inseln kommt. Gleichzeitig – und das ist ein wichtiger Teil des Verhältnisses zwischen Touristen und Einheimischen – bekommen aber auch die Touristen eher das, was sie sich wünschen, da „ernsthafte“ Urlauber auf den Balearen nicht damit zufrieden waren, einfach ein Paradies des „Partytourismus“ vorzufinden.

Den Fehler, Tourismus als eine einseitig vorteilhafte Sache zu sehen, machen nun beide Parteien auf den Balearen vergleichsweise selten und die angestrengte Beziehung, die man hier in der Vergangenheit oft beobachten konnte, entspannt sich zunehmend.

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2 Kommentare zu “Balearen Tourismus”

  1. am 20. Feb 2007 um 10:30Tiffany B.

    Das sind doch mal schöne Nachrichten. Jetzt bleibt nur abzuwarten, wohin es die bisherigen Ballermanntouristen verschlägt. Denn Ersatz werden sie sich suchen…

  2. am 28. Feb 2007 um 15:43H.-P. Weber

    Ich sehe dieses Thema ebenfalls als “zweischneidiges Schwert”.

    Einerseits ist natürlich ganz klar, dass sich der Tourismus auf den Balearen ändern muss. Würde die Entwicklung so weiterverlaufen wie in den letzten Jahren, wären die Balearen bald vollständig vom Pauschal- und Partytourismus eingenommen. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich Touristen, die gerne die Kultur, Natur und Ruhe der Inseln genießen möchten, gestört fühlen. Ganz klar, hier sollte etwas passieren. Der Partytourismus muss eingeschränkt werden damit jeder Tourist, je nach Interessenlage, den Urlaub auf den Balearen genießen kann, die Partymacher ebenso wie die Kultururlauber.

    Ich finde es jedoch sehr fraglich, dass die Einnahmen der geringeren Zahl an “wohlhabenden” Touristen die Verluste durch das Ausbleiben der Partytouristen auch wirklich ausgleichen können. Denn was passiert dann mit den vielen “Bettenburgen”, Bars, Kneipen, Diskotheken etc., die von den Partymachern voll ausgeschöpft wurden? Die Existenz vieler Einheimischer hängt an diesen Einrichtungen, die ohne den Partytourismus in einer solch großen Zahl überflüssig sind. Mir ist nicht ganz klar, ob dieser Punkt im Rahmen der Umstrukturierung auch wirklich bedacht wurde.

    Deshalb meine Meinung: Ganz klar, der Partytourismus muss eingeschränkt werden, um auch Touristen mit anderen Interessen eine Möglichkeit auf einen erholsamen Urlaub zu bieten.Ihn ganz abzuschaffen halte ich, gerade in Bezug auf das Einkommen und die Existenz der Einheimischen, für die falsche Lösung. In anderen Ländern funktioniert das Zusammenspiel der beiden Gruppen doch auch. Warum also nich genauso auf den Balearen?

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