Anagagebirge

Das wilde Gebirge in Nord Teneriffa

Der Bereich des Anagagebirges im zentralen Norden Teneriffas zählt nicht nur geologisch als ältester Inselteil, sondern unterscheidet sich auch anderweitig erheblich vom Rest der Insel.


Nicht umsonst wirbt die Region mit dem Spruch „Besuchen Sie das andere Teneriffa“, hier ist wirklich alles ein wenig verdreht. Kein oder zumindest kaum Tourismus, dafür wilde Natur, steilere und schroffe Berge, gefährlich rutschiger Boden, dafür herrlich abwechslungsreiche und immergrüne Landschaft, kleine abgelegene Buchten und Strände, die kaum zu erreichen sind, tiefe Schluchten und kühleres, regnerisches Klima.

Das Klima hier ist recht einfach zu erklären, denn das Gebirgsmassiv bildet eine natürliche Barriere für den feuchten Nordostpassat, der vom Meer her weht. Durch den Wind kommt die kühle Brise, und um das Anagagebirge zu passieren, muss der Passat aufsteigen. Da er sich über dem Ozean allerdings mit Kondensfeuchtigkeit aufgeladen hat, ist er schwer, und bildet beim aufsteigen in kühlere Luftschichten zunehmend Wolken, die die schwere Feuchtigkeit an die Umwelt abgeben. Dichte Wolken und viel Nebel hüllen dann das Gebirge ein, und wenn es nicht zum regnen kommt, so kämmen die besonderen „Regenbäume“ das Wasser aus Wolken und Nebel. Zurück bleibt ein trockener Passatwind, der auf der anderen Seite des Gebirges als Fallwind scharf in Richtung Süden weht.

Durch diesen sich praktisch täglich wiederholenden Kreislauf bekommen die Wälder des Anaga selbst im Sommer genügend Wasser, um frisch und grün zu bleiben, was ihnen den Namen Monte Verde einbrachte, während es im Süden extrem trocken ist und kaum Pflanzen gedeihen. Die geographisch sehr schroffe Beschaffenheit des Massivs, mit vielen Schluchten, Höhlen und den „Roques“, riesigen Steinen, die an relativ gleichmäßigen Hängen plötzlich wie große Monumente hervorragen, erklärt sich durch die vulkanische Vergangenheit.

Das Epizentrum der vulkanischen Ausbrüche lag auf dem Bergrücken, wo heute die Kammstrasse entlangläuft. Die Lavaströme ergossen sich von dort aus auf beiden Seiten des Gebirgskamms hinab, doch teilweise kam es auch zu heftigen Eruptionen, bei denen Gesteinsbrocken und Gas Kilometerweit durch die Luft geschleudert wurden. Landeten diese schweren und harten Brocken mit all ihrer Wucht und Geschwindigkeit auf dem noch weichen Vulkangestein, dem Basalt, so bohrten sie sich einige Meter tief hinein und blieben stecken. Erst durch die Wetterbedingte Erosion des weicheren Basalts kamen sie wieder zum Vorschein, und ragen bizarr aus der sonst gleichmäßig erodierten Landschaft hervor.

Ähnlich entstanden auch die „Diques“, Gesteinsschichten, die wie Mauern in der Landschaft stehen. Nur wurden diese härteren und jüngeren Gesteinsschichten nicht hoch geschleudert, sondern das Tiefengestein erhob sich bei Ausbrüchen und Erderschütterungen aus den Tiefen in entstandene Erdspalten. Als das umliegende weiche Gestein nach und nach durch Wind und Wetter abgetragen wurde, blieben diese Harten Felsen eben wie Mauern stehen, und lassen erkennen, wo einst Erdspalten entstanden waren. Die tiefen Schluchten, die charakteristischen „Barrancos“ waren einst Bruchspalten durch die Magma aufstieg, durch starke Regenfälle kam es zur Erosion des weichen Basaltgesteins. Zum einen bedingt durch die Kraft des Wassers, zum anderen durch scharfkantige Gesteinsbrocken, die aus höheren Lagen mitgespült wurden, und immer tiefer ins Gestein schnitten.

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